Jahresausstellung 2021/Gespräch mit Pamela Ceresola


 

Gespräch mit Pamela Ceresola

Ehemalige Präsidentin des magidnums                                                                                                                                                                  Michael Wyss

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich treffe Pamela an einem sonnigen Herbsttag in ihrem lichtdurchflutenden Atelier in ihrem Haus in Magden. 

M.Wyss: Pamela wie kamst du zum Verein magidunum?

 

Im Jahr 1998 gab es eine Museumskommission die alte Gegenstände aus dem Dorf Magden sammelte. Im damaligen Vorstand waren David Dillier, Willy Campani, Ernst Böni, Roger Bretscher und Peter Kropf (Präsident). Es gab keine Fortschritte mehr und der Platz war sehr eng.  Sie hatten damals einen Raum im alten Schulhaus, den man an gewissen Öffnungszeiten besuchen konnte.   

 

Peter Kropf sagte mir, wir brauchen ein neues Konzept.

  

Er wusste dass Hedy Campani und ich ein altes Atelier von Arnold Zahner in Rheinfelden hatten. Es war ohne Wasser aber mit Strom. Peter Kropf wusste auch, dass Hedy und ich künstlerisch sehr aktiv waren. Er telefonierte mit mir und meinte wir könnten doch zusammen ein  gemeinsames Konzept im  Magden machen.

 

 Alte Gegenstände und Regionale Kunst!“

 

Bis anhin interessierten sich die obgenannten Männern nicht gross für Kunst, und umgekehrt haben Hedy und ich nicht viel von alten Gegenstände gewusst. So entstand in 1998 ein neuer Verein in Magden. Nach der ersten Ausstellung mit Ado Zung, Hedy und meine Wenigkeit war es allen klar wir konnten Erfolg haben.  Der Name magidunum ist eine Version von Lateinischen für Magden.

 

Sieben Leute waren dabei im Vorstand, Peter Kropf als Präsident und ich als Vizepräsidentin. In den ersten beiden Jahren hatten wir Themen wie „Der Waschtag früher“. Da wurden ein alter Waschtrog und alles Mögliche zu   diesem Thema ausgestellt. Sogar eine Wäscheleine wurde durch den Raum gespannt. Daran an Wäscheklammern: Damenunterhosen aus der alten Zeit! Es gab auch Bilder zum Thema Wasser von anderen Künstlern. Das Lustige war dass die Männer die früher kein Interesse an Kunst hatten, immer mehr von den Bildern und Keramiken begeistert waren. Es gab damals schon drei Ausstellungen und zusätzlich einen Weihnachtsbazar im November /Dezember. Am Anfang war der Bazar sehr erfolgreich und  es gab auch eine spezielle Osterausstellung in welchen Ostereierkünstler eingeladen wurden. Einmal konnte man ein spezielles Spiegelei bewundern, nämlich ein Ei mit einem Spiegel! Ausgestellt wurden alte Heugabeln mit Heu beladen und ein alter defekter Radio wurde repariert und den Besuchern vorgeführt.

 

Drei oder vier Jahre später im Jahr 2001/2002 verliess Peter Kropf den Verein und ich wurde Präsidentin. Bald darauf wurde der Weihnachtsbazar gestrichen, weil überall Bazare aus dem Boden schossen und der kleine Bazar in Magden nicht mehr gefragt war. Die alten Herren vom Museum Vereinsgruppe hatten mit der Zeit Altersbeschwerden und es blieb nur noch Roger Bretscher. Bald wurden neue Vorstandsmitglieder gesucht nämlich:

 

Francine Oesch, Ruedi Schreiber, Brigitta Vogel und Käthy Keller. Die alten

Gegenstände wurden immer mehr weggelassen, da sie auch zu schwer zu tragen waren. Hedy Campani verliess alsbald auch den Verein. 

 

Peter Kropf besuchte die Künstler bei den Ausstellungen regelmässig und ich übernahm diesen schönen Brauch. Durch diese Gespräche hatte ich schöne Kontakte mit Menschen aufgebaut, die ich vorher nicht kannte. Auch persönliche Probleme wurden diskutiert, so dass ich sagen konnte: Sie kamen als Fremde und gingen als Freunde. Die Vorstandskollegen waren jeweils etwas traurig, dass die Künstler wieder gingen.

  

„Die Künstler kamen als Fremde und gingen als Freunde“

 

Es gab bei den Künstlern auch Auseinandersetzungen.

Zum Beispiel meinten ein paar; Dieser hat mehr Platz oder er oder sie hat viel mehr Bilder aufgehängt! Der Vorstand und ich sagten jeweils zu den Ausstellern, ihr müsst das irgendwie selber lösen! Mit Diplomatie, Kompromissbereitschaft und Verständnis  waren viele Probleme so zu lösen.

Am Anfang kamen viele Leute von Magden, jetzt ist das nicht mehr so. Die Gemeinde   Magden ist sehr froh dass hier etwas Kulturelles läuft und sie waren immer sehr hilfsbereit auch im Finanziellen. Das Konzept magidunum an der Vernissage war immer mit Musik und Vorstellung der Künstler. Wir unterstützen schon seit einiger Zeit auch die Weinbauer von Magden mit Weinkauf.

 

Das Leopolds Karls Haus war auch ein Projekt dass mich und Roger Bretscher am Herzen hing. Wir setzten uns mit Erfolg dafür ein, dass dieses alte Taunerhaus nicht abgerissen wurde.

 

 

 

 

 

 

Noch drei lustige Geschichten.

 

Hedy und ich gingen jeweils vor der Vernissage noch einmal durch die Ausstellungen. Es stellte unter anderem eine Künstlerin die uns bestens bekannt war Keramikwerke aus. Es waren viele Sachen. So beschlossen wir eine schöne Keramik-Katze die im Getümmel lag, unter ein Kunstbild hinzustellen. Wir meinten es nur gut! Morgen fragen wir die Künstlerin ob sie einverstanden ist. In der Nacht passierte was in 22 Jahren nie  passierte, das Bild löste sich von der Wand und fiel direkt auf die Katze! Das Bild war noch ganz, aber die Katze war kaputt. Am anderen Tag kam die Künstlerin, sah das Unglück und war sehr böse auf uns! Es tat uns unendlich leid und wir haben so etwas nie wieder gemacht.

  

 

  

 

 

 

 

 

 

Ein anders mal meldeten sich zwei ältere Damen und brachten ihre Keramiksachen und Kunstbilder mit. Die Kunstsachen waren sehr einfach gemacht und im Vorstand hatten wir Zweifel ob etwas gekauft würde. Die freundlichen Damen brachten aber viele ihrer Bekannten an die Ausstellung mit und verkauften  einige ihrer Objekte. Das Spezielle war, dass sie bei jedem Aus-stelllungstag einen Kuchen backten und mit der mitgebrachten Kaffeemaschine die Besucher bewirteten. Dies kam seht sehr gut an. In der Mitte am Boden befanden sich Keramikpilze und ich zertrat irrtümlicherweise einer der Pilze der im Moos war.           Ich entschuldigte mich, aber die Künstlerin meinte; ich musste   den ganzen Preis für dieses Objekt bezahlen. Was ich etwas zähneknirschend auch machte.

  

„Es war mir immer wichtig mit meinen Kunstwerken den Besuchern ein

Lächeln ins Gesicht zu zaubern“

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An der Mustermesse hatte ich eine Ausstellung. Unter anderem waren da zwei Gegenständen mit vielen kleinen Kunst-gegenständen drangehängt. Sie kosteten 450 Fr. pro Stück.       Eine Dame war ganz entzückt, und sagte sie wolle beide kaufen. Ich wollte es ihr nach Hause bringen aber die Kundin              meinte; nein, nein, ich trage alles selbst ins Tram und fahre so nach Hause. Ich frage mich immer noch ob sie überhaupt heil mit den Kunstgegenständen nach Hause gekommen ist! 

Ich habe früher viele Keramikausstellungen in der Schweiz gemacht. Es war mir immer wichtig mit meinen Kunstwerken den Besuchern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. 

Von der Gemeinde erhielt ich mit zwei anderen Künstlern zusammen einen Auftrag für den Eingangsbereich im Gemeindehaus. Ein Glasbläser und ein Metallkünstler waren auch dabei. Wir fragten uns was könnten wir mit drei verschiedenen Materialien gestalten? Was ist typisch für Magden? Ja der Bach, Fische und Trauben. Der Metallkünstler schmiedete einen Baum und ich töpferte im Baum Vögel und Blättern. Eine Hornisse ist auch noch dabei vis a  vis des Steueramtes! Der Glaskünstler gestaltete einen Wasserfall. Es war eine Riesenarbeit, machte viel Spass und ist im Gemeindehaus anzuschauen.

Mein Tipp am Schluss unseres Gesprächs: Mit Geduld und Humor weitermachen und sich nicht durch Krisen entmutigen lassen. Meistens sind Ausstellungen welche man als ungenügend einschätzt die Besten! Auch neue Entwicklungen einfliessen lassen. Das Einzige das  bleibt ist, dass alles sowieso anders kommt! 

 

„Mit Humor und Geduld weitermachen und sich durch Krisen nicht entmutigen lassen“

 Meine Zeit in magidunum geht nun zu Ende  Es war eine schöne Zeit aber  es sind neue Ideen gefragt. Ein neues Team und vielleicht ein neues Konzept wie wir vor 22 Jahren es auch machten.

 

Ich danke dir für das Gespräch Pamela und wünsche dir alles Gute für die Zukunft.